Reform des Psychotherapeutengesetzes

Das Psychotherapeutengesetz (PsychThG) aus dem Jahr 1999 ermöglichte es Psychologischen Psychotherapeut*innen und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen, selbstständig Psychotherapien durchzuführen.
Voraussetzung dafür ist eine Approbation, die nach einer drei- bis fünfjährigen Ausbildung im Anschluss an das Masterstudium erlangt wird. Diese Ausbildung brachte einige Probleme mit sich, etwa einen unzureichend geregelten Sozialstatus, sehr hohe Ausbildungskosten und eine teilweise dürftige oder nicht vorhandene Bezahlung während der verpflichtenden Praxisphasen.

Aus diesem Grund trat am 1. September 2020 eine novellierte Fassung dieses Gesetzes in Kraft, die Studium, Approbation und Weiterbildung für angehende Psychotherapeut*innen neu regelt. Wie diese genau aussieht und was das für euch bedeutet, erfahrt ihr auf dieser Seite.

Wir tragen mit Hilfe der Psychologie-Fachschaften Informationen darüber zusammen, wann die Universitäten planen, die neuen Studiengänge anzubieten. Hier findet ihr eine Tabelle zur Übersicht.

 

Hinweis: Diese Informationen sind ohne Gewähr. Es handelt sich um vorläufige Angaben.

FAQ: Auswirkung des PsychThG

Die Approbationsordnung gibt vor, welche Studieninhalte über Bachelor und Master hinweg erbracht werden müssen, um am Ende des Masters für Klinische Psychologie und Psychotherapie zur Approbationsprüfung zugelassen zu werden. Nur mit der Erbringung dieser Inhalte im Studium ist es möglich Psychotherapeut*in zu werden. Das betrifft Inhalte wie die psychologischen Grundlagenfächer, Statistik und Methodenlehre, Grundlagen des Wissenschaftlichen Arbeitens, Inhalte der Klinischen Psychologie und Psychotherapie, sowie medizinische Grundlagen und Pädagogik in Bachelor und Master.

Studienanfänger*innen, die sich die Option offen halten wollen Psychotherapeut*innen zu werden, sollten darauf achten, dass der Bachelor, für den sie sich bewerben, approbationsordnungskonform ist. Nur mit einem solchen Bachelor kann man ab 1. September 2020 noch Psychotherapeut*in werden. Diese Information sollte auf der jeweiligen Universitätswebsite ersichtlich sein oder auf Nachfrage bei der jeweiligen Universität in Erfahrung zu bringen sein. Grundsätzlich sollten sich Studienanfänger*innen damit auseinandersetzen, welche psychologischen Fach- und Anwendungsbereiche sie interessieren und nachprüfen, was genau davon, die Universität, an der sie sich bewerben, anbietet, da dies von Universität zu Universität stark variiert. Wenn Studienanfänger*innen im neuen Bachelor eingeschrieben sind, müssen sie sich spätestens beim Übergang in den Master Gedanken um ihre Zukunftspläne machen, da der Berufsweg des neuen Psychotherapeuten nur noch über den neuen Master führt. Sollten andere Berufsziele angestrebt werden, gibt es auch eine Vielzahl an Masteralternativen.

Studierende, die ihr Studium bereits begonnen haben, werden bis 2032 Zeit haben, um ihr Studium und ihre Ausbildung zum*r Psychotherapeut*in zu beenden (bei Härtefällen bis 2035). Studierende, die sich noch am Anfang ihres Studiums (noch im Bachelor) befinden, sollten an ihren Universitäten nachfragen, in wie weit es Nachqualifizierungsmöglichkeiten geben wird, die es ihnen ermöglichen können, bereits zum neuen Master klinische Psychologie & Psychotherapie zugelassen zu werden und somit in den umgestellten (neuen) Studienplan zu wechseln. Was wiederum dann den Weg zur neuen Weiterbildung ermöglichen würde.

In der neuen Weiterbildung bekommt man nach dem Masterabschluss und bestandener Staatsprüfung schon die Approbation, darf sich also Psychotherapeut*in nennen, erteilt (allerdings noch keine sozialrechtliche Anerkennung, dies bedeutet, dass man noch nicht selbstständig arbeiten kann oder selber über die Krankenkassen abrechnen kann, dies ist immer an die Fachkunde und den damit einhergehenden Eintrag ins Arztregister gebunden). Außerdem wird Psychotherapie schon in Teilen im Master gelehrt. Die Weiterbildung wird jetzt 5 Jahre anstatt 3 dauern, dafür geschieht sie aber in einem regulären Anstellungsverhältnis. Man steigt also mit der Weiterbildung regulär ins Berufsleben ein.

Die Institute sind gesetzlich nicht verpflichtet das alte Ausbildungssystem, bis zum Ablauf der Übergangsfrist des alten Gesetzes 2032, weiterzuführen. Wie lange es weitergeführt wird, hängt stark von der individuellen Situation, insbesondere der finanziellen Situation, der Institute ab, da diese Unternehmen privatwirtschaftlich sind und nicht vom Staat finanziert werden.

Die Weiterbildung wird weiterhin Kosten erzeugen. Welche Kosten weiter von den Weiterzubildenden selbst übernommen werden, müssen ist derzeit noch nicht abschließend geklärt. Allerdings befindet man sich während der gesamten Weiterbildung in einem regulären Anstellungsverhältnis, welches mit min. TVöD E13 vergütet werden sollte, je nachdem was die Gewerkschaften (z.B. ver.di) aushandeln können, in diesen kann man übrigens schon als Student Mitglied werden).

Nach vollendeter Aus- & Weiterbildung sind Leistungen von Psychologischen Psychotherapeut*innen, Kinder-und-Jugendlichen Psychotherapeut*innen und Fachpsychotherapeut*innen gleichermaßen über die Krankenkasse abzurechnen. Es wird also keinen Unterschied in der Vergütung geben.

Ja. Im stationären Teil der Ausbildung („Praktische Tätigkeit“) sind jetzt für die PiAs mindestens 1000€ (Arbeitnehmerbrutto) als Vergütung verpflichtend (für die 1200 Std. der PT1, nicht aber für die 600Std. der PT II). Im ambulanten Teil der Ausbildung („Praktische Ausbildung“) stehen den PiA dann mind. 40% des Honorars zu (allerdings gibt es unterschiedliche juristische Einschätzungen, ob diese 40% einem Individualanspruch entsprechen oder ob diese 40% durch das Institut anderweitig verrechnet werden können (z.B. durch die Übernahme von Supervisionskosten etc.)
Allerdings sollte auch hier nochmal erwähnt werden, dass die 1000€, wenn überhaupt lediglich eine geringfügige Verbesserung darstellen. Denn dabei handelt es sich nicht um eine einen Hochschulabsolventen angemessene Vergütung. Auch decken die 40 % Mindesthonorar die Ausbildungskosten nicht.

Psychologische Psychotherapeut*innen bzw. Kinder-und Jugendlichen Psychotherapeut*innen nach altem Gesetz und Psychotherapeut*innen (mit abgeschlossener Weiterbildung) nach neuem Gesetz werden weiterhin gleichgestellt sein. Das neue Gesetz sieht eine Befugniserweiterung vor, sodass es beiden Gruppen nun erlaubt sein wird Ergotherapie und Psychiatrische Krankenpflege zu verschreiben. Da die derzeitigen Ausbildungswege zum*r Kinder-und Jugendlichen Psychotherapeut*in und Psychologischen Psychotherapeut*in 2032 enden, enden ebenfalls die derzeit vorgesehenen Zugangswege zur bisherigen Ausbildung. Nur noch Absolvent*innen des neuen Masterstudiengangs wird ein Zugang zur Weiterbildung möglich sein. Dies ist insbesondere wichtig für Studierende und Absolvent*innen der Pädagogik und Sozialen Arbeit, da ihnen vermutlich kein Quereinstieg in den neuen Masterstudiengang möglich sein wird, hier also auch die 12 Jahre Übergangsfrist gelten. Abhängig von der Musterweiterbildungsordnung und der Schaffung zukünftiger neuer (Zusatz-) Weiterbildungen kann es sein, dass die neuen Fachpsychotherapeut*innen über andere Befugnisse verfügen werden als bisherige PP/KJP.

Zu dieser Frage gibt es noch keine klare Antwort. Allerdings scheint es eine „Lösung“ in die Richtung zu geben, sodass eine Promotion im klinischen oder psychotherapeutischen Kontext, respektive mit Implikationen in diesen, sich auf die Weiterbildung teilweise anrechnen lässt und die Vereinbarkeit von Promotion und Weiterbildung sich so noch verbessern sollte.

Der Weg des PsychThG